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Let´s talk about Stress, baby!

Wir alle reden davon wie gestresst, wir sind.
Aber was ist Stress? Was passiert in unserem Körper und was macht es wirklich mit uns?

pic by lewin-carriazo & hermes-rivera @unsplash

Wie gerne würde ich bei Marvel nachfragen, ob die Figur HULK wie folgt entstanden ist: irgendjemand war in der Schaffensphase so gestresst, dass er den persönlichen Zustand einfach eins zu eins umgelegt hat – in eine so noch nie zuvor dagewesene Superhelden Persönlichkeit! Schließlich ist Stress grundsätzlich nichts Schlechtes. Wie bei Hulk macht es uns zum Beispiel körperlich kurzzeitig zum Übermenschen, ok, beim Hirn muss man meist ein paar Abstriche machen. Eigentlich nicht verkehrt, wenns da nicht ein paar moderne Probleme gäbe. Hier ein kleiner Überblick.

Unser Erbgut ist schuld

Wir Menschen haben leider ein evolutionstechnisches Problem – wir sind mehr oder weniger zum Pessimismus geboren. Eine wertvolle Fähigkeit aus der Steinzeit, macht uns zu eifrigen Sammlern negativer Erfahrungen als Überlebenstrategie. Für unsere Urahnen war es überlebenswichtig, erlebte gefährliche Situationen zu verinnerlichen z.B. der Säbelzahntiger der unser Leben bedroht. Vorallem aber war es wichtig das Erlebte und Gelernte als Priorität abspeichern: Nein, der Säbelzahntiger ist kein Schmusekätzchen, ich muss kämpfen, fliehen oder mich totstellen. Damit wir uns das auf jeden Fall merken, sorgen die damit verbundenen negativen Emotionen, die allerhand in unserem Körper auslösen.

Überlebenskampf ist Stress!

Was passiert da in unserem Körper? Gefahr droht, unser Adrenalin im Körper steigt und gibt unseren Muskeln kurzzeitig Superkräfte. Das Stresshormon Cortisol sorgt dafür, dass nur die überlebenswichtigen Organe ausreichend versorgt werden. Auch die Verdauung liegt erstmal lahm und unser Hirn ist auch auf Sparflamme. Mit dieser Ausstattung, körperlicher Superheld mit kaum Denkfähigkeit, reagieren wir im „Fight or Flight“ Survival – Modus. Dabei werden wir evtl. auch käsebleich. Grün wie Hulk werden wir zum Glück eher nicht.
Werden wir kein Tigerfrühstück und sind erfolgreich der Gefahr entkommen, sinkt unser Stresslevel und Angst weicht Erleichterung, Dankbarkeit und Freude. Das sinkende Adrenalin ist erstmal durch den Kraftakt ausgeschöpft, das Cortisol weicht dem Serotonin, unserem wohl liebsten aller Hormone, dem Glückshormon. Schließlich gibt es was zu feiern nach dem Kraftakt.

Unser Körper kehrt langsam auf das Normallevel, unserem „Entspannten-Ich“ zurück und unser Hirn bildet neue Synapsen, also Verbindungen zu unseren Nervenzellen. Die Nervenzelle „Säbelzahntiger“ bekommt die Verbindung zu „Gefahr“, „Angst“, „Kampf“. Es wird also Information mit Emotion & Reaktion gepaart. Wieder eine negative Erfahrung mehr für unsere Sammlung. All diese erlernten Verbindungen schaffen unseren ganz eigenen Blick auf die Welt, eine Brille die nur wir tragen. Ein wunderbar selbsterschaffenes Designerteil, aber eben stark beeinflußt von dem kleinen achtsamen Pessimisten in uns.

Schicke Brille – was trägst Du so?

Nun ist heute aber nicht mehr Steinzeit, sondern hochtechnische, digitale Neuzeit angesagt. Wir kämpfen nicht gegen Säbelzahntiger, sondern mit unserem alltäglichen Leben, getrieben von gesellschaftlichen Erwartungen, Zukunftsängsten und Glaubenssätzen. Mehr denn je ringen wir um den Ausgleich zu unserem schnellen Leben. Im beruflichen als auch privaten Alltag, bewegen wir oftmals sehr viel mit dem Gefühl nichts bewegt zu haben, unter ständigem selbst- oder fremdinitierten Druck. Druck allein, lässt so manchen zur Höchstform auflaufen, wenn die Lösung in der eigenen Hand und vorallem Handlung liegt. Sind aber viele Stressfaktoren gegeben, ist manches nicht durch eigenes Handeln zu lösen oder überhaupt nicht greifbar, wird es langsam schwierig. Das fiese: es ist auch die Menge an Reizen, nicht nur deren Qualität, die dich zum Dauer-Hulk macht.
Nur leider können wir die meisten Probleme nicht mit körperlicher Aktion auflösen wie unser grüner Buddy, sondern, wenn überhaupt mit Sinn und Verstand. Die beiden sind aber gerade schwer verfügbar. Wir drehen uns 100 Mal um das gleiche Thema. Haben wir dann ein zwei Dinge geregelt bekommen, ist es wieder ein bißchen leichter. Kurzzeitig. Denn ohne ein Survival Fest, Pause, oder Reflektion, geht es weiter an all die anderen Probleme und Sorgen. Unser Cortisol bleibt mal mehr, mal weniger, aber es ist ständig da, überpräsent. Somit kann unser Serotonin immer weniger den inneren hormonellen Ausgleich schaffen, den wir benötigen.

Der Super- Boost – „not“!

Zu alle dem, gibts noch was Extra obendrauf, nennen wir ihn den Stress-Supermultiplikationsfaktor. Ähnlich wie das Münzensammeln in SupermarioWorld! Das ist der Boost, wo du doppelt soviel „Münzen“ bekommst! Was gibt dem Hirn also motiviertes Lernen durch Gefahrenboost?? …die Geschichten der anderen! Bzw. nennen wir sie News, Social Media usw. – denn nichts Geringeres als all die anderen Geschichten, wo wir das Gefühl haben, wir wären live dabei brennen sich bei uns ein, wenn sie begativ sind, damit wir das selbst nicht erleben müssen. Oder wir spüren den Druck, dies oder jenes auch machen zu müssen, um im gesellschaftlichen Wettbewerb mitzuhalten. Die Geschichten der anderen lassen uns doppelt soviel Lebensgeschichte erfahren, als es einst für ein Durchschnittsleben so geplant war… aber wer will schon Durchschnitt sein?! Durch das digitale Zeitalter dürfen wir gefühlt mehrere Leben auf einmal erleben.

Unser Unterbewußtsein sagt: Information ist die beste Vorsorge, Angst ist der wirksamste Stress-Motivator. Es gibt gute Gründe wieso Sensations-Medien so gut funktionieren. Unsere Aufmerksamkeit ist immer tendenziell eher bei allem was ein bißchen Gänsehaut macht, sowie Sensation inne hat.
Der Mist mit dem Boost ist allerdings: unser Bewußtsein kann zwar zwischen eigener und anderer Realität unterscheiden, unser Unterbewußtsein ist aber leider nicht ganz so gut darin.

Was, wenn die Sonnenbrille so dunkel ist, dass man die Sonne gar nicht mehr sehen kann?

Aus der Stress und Brillen Perspektive sind die beste und zugleich schlechteste Erfindung der letzten Jahre unsere Click-Algorithmen, wenn wir digital unterwegs sind. Mit den personalisierten Algorithmen kommen wir in den Genuss, dass unsere Neugier mehr und mehr mit Themen genährt wird, die wir einst angeklickt haben. Frage ist nur: wie oft haben wir etwas angeklicht, was uns in Angst oder Stress versetzt oder suggeriert mein Leben, mein Körper, mein was-auch-immer ist nicht gut genug. So limitiert sich der Blick auf unsere ganz eigene Realität immer mehr und wir wissen ja, der Pessimist in uns ist hellhöriger als der Optimist. Umso bedenklicher, wenn wir sie die ganze Zeit mit unseren Stressthemen anreichern. Wir kommen zu dem Schluss, dass die ganze Welt so ist. Es ist aber vorallem unsere Perspektive, unser Filter, unsere Brille – wie wir die Welt sehen. Und so füllen wir unser Synapsenuniversum aka. Hirn mit ALLEM was wir irgendwie mitbekommen und laufen in großen grün-nuancierten Menschenmengen täglich durchs Leben. Lauter kleine Hulks.

Erste Hilfe bei Reizüberflutung a la Hulk

Es gibt viele offensichtliche Dinge, die man sehr schnell und gut umsetzen kann, um wieder auf ein Dr. Bruce Banner Normallevel zu kommen. Das Wichtigste ist jedoch, selbst einmal den eigenen IST-Zustand zu erkennen! Zu wissen, wann man wirklich entspannt ist und wann man sich lediglich im unteren Bereich des Dauerstresslevels aufhält. Erst wenn man sieht welche Brille man trägt, wo man negative Denk- und Handlungsmuster hat, wenn man die eigene Matrix erkannt hat, dann kann man auch wirksam etwas ändern und den eigenen Synapsenkabelsalat neu verbinden.
Also: guck in den Spiegel und schaut genau hin. #notfilter

Wir sehen uns bald wieder zur Synapsenparty!

PS: Nein, wir haben keinen Werbevertrag mit Marvel, es ist also komplett unbezahlte Hulk Werbung 😉

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